Oaklands

Oaklands (20.01. – 26.02.)

Noch nie davon gehört? Die Kartoffelmetropole in Australien! Ganze 350 verwirrte Seelen hat es in diese Einöde verschlagen.

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Wenn du wegen eines Verbrechens in Australien gesucht wirst, dann ist hier der beste Ort sich zu verstecken. Wahrscheinlich waren wir 5 Wochen von Kriminellen umgeben… Egal, wir kamen an einem heißen Tag hier an und es war echt winzig. Wir checkten in unser Hotel ein und warteten darauf, dass unser Contractor eintreffen und alles mit uns regeln würde. Wir sollten 6 Tage die Woche arbeiten ca 8 Stunden täglich und in 3 bis 4 Wochen sollte die Arbeit beendet sein. Das hörte sich schon mal gut an. Wir trafen unsere Arbeitskollegen, die mit verdreckten Klamotten eintrafen. Zwei deutsche und zwei Taiwanesen, beides Pärchen. Das Hotel war schon echt heruntergekommen und unser Zimmer war klein und abgefuckt. Die Familie die das Hotel und die Bar bewirtschaftete wohnte nur vorrübergehend hier und wollte das Haus schnellstmöglich verkaufen. Beachtlich 13 Kinder hatten die Eltern, wovon 8 anwesend waren.

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Den ersten Abend verbrachten wir mit den deutschen draußen auf der Terrasse. Wir spielten Karten und ließen uns alles erklären. Morgen um 7 Uhr ging die Arbeit los.

Um 6 Uhr standen wir auf und machten uns Frühstück. Alles musste schnell gehen, da wir uns außerdem noch was fürs Mittagessen zubereiten mussten. Dann ging es los. Wir fuhren den anderen hinterher und kamen nach 10 Minuten auf der Kartoffelfarm an. Flo sollte mit Markus zusammen auf den Harvester gehen.

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Das war die Erntemaschine die übers Feld fuhr. Isa sollte mit den anderen am Fließband stehen und Kartoffeln aussortieren und das über Stunden! Das konnte heiter werden. Flo fuhr mit Traktor-Jeff und Markus aufs Feld. Dort zeigte Markus ihm den Harvester. Eigentlich war der Job recht einfach. Wir standen im Harvester, der die Kartoffeln aus dem Boden schaufelte und über Fließbänder zu transportierte.

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Das Fließband auf dem Harvester

Wir mussten dann nur noch Dreck und schlechte Kartoffeln aussortieren. Das Fließband lief aber so schnell, das wir unmöglich alles schlechte aussortieren konnten. Das was uns durch die Lappen ging, wanderte zu den Mädels. Der Harvester entlud sich immer auf einen Truck, der dann die 8 Tonnen, die wir in 15 Minuten aus dem Boden geholt hatten, zur Halle transportierte.

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Dort entlud er sich auf einem weiteren Fließband und die Mädels sortierten nun den letzten Rest aus. Die Kartoffeln wurden dann Tonnenweise auf große Kisten oder Säcke verteilt und abgeholt oder ins Kühlhaus gebracht.

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Eine Tonne Kartoffeln

Gegen halb 10 gab es dann unsere bezahlte Kaffeepause. Dafür wurden Flo und Markus extra vom Feld runter zur Halle gefahren (10 min. mit Auto). Das war schon ziemlich gut, aber auch notwendig. Die ganze Zeit am Fließband zu stehen ist echt anstrengend. Meistens sind wir nach dem Frühstück dann alle auf zwei Harvester verteilt auf Feld gekommen und haben Kartoffeln für McCain Pommes geerntet.

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Die wurden dann gleich vom Harvester auf die McCain Trucks geladen und zur Weiterverarbeitung weg gebracht. Zwischenzeitlich gab es dann Mittagessen und die letzte Stunde des Tages standen wir dann alle in der Halle am sortieren.

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Tja, so sah es aus. Aber wir konnten uns wirklich nicht beklagen. Unsere Chefs waren sehr nett und hilfsbereit und wir mussten uns echt nicht totarbeiten (nur Rückenschmerzen hatten wir die erste Woche, dann hatten wir uns an die Arbeit gewöhnt) und konnten gut Geld sparen.

Das deutsche Paar, Markus und Danni, hatten einen großen Toyota Landcruiser und jede Menge Arbeit mit dem Wagen. Es mussten unzählige Dinge repariert werden. Die wohl größte Scheiße war ihr Dach, das fast auf die komplette Länge des Autos bis zu zwei Zentimeter breiten Lochfraß durch Rost hatte. Aber es war noch unendlich viel mehr zu tun und beide verbrachten viel Zeit mit den Reparaturen. Da Markus sowas wie ein halber Automechaniker ist, konnten sie aber fast alle arnbeiten selber machen. Da auch wir einige Probleme mit unserem Wagen hatten, hatte Markus angeboten uns zu helfen. So konnten wir in unserer Zeit in Oaklands unsere Wagen ganz gut pimpen.

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Flo beim pimpen

Wir schliffen und lackierten etliche Teile an unserem Wagen, bauten Zusatzscheinwerfer ein und machten einen umfassenden Filterwechsel (Luft, Kraftstoff und Öl). Außerdem lernten wir viel über Autos.

Was passierte hier sonst so? Ach ja, wir hatten richtig krassen Regen. Die Felder in der Umgebung waren dermaßen stark überflutet, dass man sie glatt für Seen halten konnte.

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Zum Glück war unsere Farm nicht so stark betroffen. Trotzdem konnten wir 4 Tage nicht arbeiten.

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Unsere Veranda nach dem Regen

Danach war es aber auch nur mit Problemen verbunden. Die Fleder waren so weich durch den Regen, wir blieben andauernd stecken. Das eine Mal hatten wir besonders fiesen Untergrund. Wir merkten wie sich der Harvester beim sortieren immer weiter auf eine Seite lehnte… Wir fuhren weiter. Er kippte immer weiter und weiter und so langsam wurden wir nervös. Er kippte noch weiter und wir machten uns schon darauf gefasst, dass wir umkippen werden, da endlich stoppten wir.

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Als wir ausstiegen, sahen wir, dass die linken Reifen von Traktor und Harvester komplett im Boden versenkt waren. Wir standen echt schräg! Was dann folgte war nicht ganz so witzig. Wir mussten den Harvester entlehren, per Hand! Wir hatten 6 Tonnen geladen und mussten nun mit Eimern alles leer machen…

Die Problematik mit dem fast umkippen verfolgte uns noch eine ganze Weile. Wir schlossen schon Wetten ab, wann es denn nun passieren würde, bis zu jenem Tag… Wir fuhren gerade mit dem kleinen Harvester auf dem besonders nassen Feld und blieben stecken. Wir standen beachtlich tief und konnten nicht weiter. Der Chef beschloss die Kartoffeln auf eintonnen große Kisten auf dem Fled zu entladen, um das Gewicht zu reduzieren, damit wir leichter frei kommen. Zum entladen werden die Kartoffeln über einen Arm auf der linken Seite des Harvesters per Fließband geleitet. Natürlich vergrößert sich dabei die Last auf der linken Seite dabei stark. Wir standen aber bereits mit der linken Seite tief in den Boden gegraben fest. Als der Chef also mit dem entladen anfing, kippte der Harvester weiter bis die rechten Reifen ca. einen Meter über den Boden schwebten. Gerade noch rechtzeitig konnten wir den Chef darauf aufmerksam machen und wir brachen den Versuch ab. Das war knapp!

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Das war auch knapp. Isa beim Kochen.

In unserer letzten Wochen hatten wir mehr sortierarbeit zu leisten. Die Saatkartoffeln die nun schon Monate in der Halle lagerten mussten von fauligen Kartoffeln befreit werden. Das widerlichste was man sich vorstellen kann. Massenhaft Kartoffeln hatten  in dieser Zeit ihren Aggregatzustand von fest zu flüssig verändert und mit Flüssig kommt der Gestank! Gelb, rot, grüner Schleim lief über das Fließband und wie geschmolzener Käse zogen sich Fäden der Pampe überall entlang. Halbe Kartoffeln, bei denen nur noch die Schale fest war und das innere aus Schleim bestand, zogen über das Band. Ein alter Australier Ian scherzte immer, dass wir doch die leckeren Schalen Kartoffelsuppe essen sollten. Nur etwas Salz und Pfeffer drauf… Das waren dann auch unsere Highlights hier. Am letzten Tag warfen wir unsere nach Kartoffeln stinkenden Arbeitsklamotten in den Müll und duschten uns gründlich allen Gestank vom Körper. Ihr habt echt keine Ahnung wie übel Kartoffeln stinken können.

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Ein cooler See

Am Ende waren wir etwa Fünf Wochen in Oaklands und hatten eine Menge Geld beiseitegelegt. Wir beschlossen einen letzten großen Trip zu starten. Wir wollten genau in die Mitte von Australien reisen, zum Uluru!

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