Zwischen Shark Bay und Perth

Zwischen Shark Bay und Perth (07.11.-08.11.)

07.11.
Unsere heutige Etappe sollte uns bis kurz nach Geraldton führen. Für den Wagen sollte es ein echter Härtetest werden. Die Kupplung war echt nicht mehr zu gebrauchen. Da brauchte man sich keinen Illusionen mehr hinzugeben. Wir brauchten eine neue. Aber noch was es nicht soweit. Zuerst ging es zum Shell Beach, ein 40 Kilometer langer Strand, der komplett aus Muscheln besteht. Konnten wir erst nicht glauben, dass es so etwas überhaupt gibt. Als wir den Strand betraten fühlten wir uns in unserer Annahme bestätigt, wir liefen auf Sand. Oder doch nicht? Flo griff sich eine Handvoll dessen, was er für Sand hielt und stellte fest, dass es tatsächlich alles Muscheln waren. Sie waren aber so klein, dass man sie für Sandkörner halten konnte. Bis zu 10 Meter tief ist dieser Muschelstrand. Das war allerdings nicht das ungewöhnlichste was wir an diesem Tag sehen sollten, denn als nächstes fuhren wir zu einem pinken Salzsee. Nein, es handelt sich hier nicht um eine Umweltkatastrophe, dass Phänomen ist ganz natürlich. Im See ist ein extrem hoher Anteil Betakarotin enthalten, der das Wasser pink färbt. Warum das so ist, wissen wir allerdings nicht.

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Wie man hier schön sehen kann, ist das Pink sehr kräftig und nicht nur zu erahnen. Verrückte Welt!

An diesem Tag wurde uns richtig bewusst, wie sich die Landschaft um uns herum geändert hatte. Die endlose wüstenartige Steppe war gewichen. Nun säumten riesige Kornwälder die Straße. Das kräftige gold der Felder bildete einen herrlichen Kontrast zu dem sonst so gewohnten rot des Sandes. Hier sah es wieder richtig nach Leben aus. So langsam wurde der Verkehr auch wieder dichter und wir freuten uns wieder in die Zivilisation vorzudringen. In Geraldton machten wir halt, die letzte große Stadt vor Perth. Unser Tank musste wieder aufgefüllt werden und Flo stieg aus. Wie auch immer es dazu gekommen ist; am Ende standen Isa und Flo da und hatten sich aus dem Auto ausgesperrt. Der Schlüssel baumelte im Schloss. Aber auf unser Auto ist Verlass. Wenn wir das hintere rechte Schiebefenster nicht richtig in der Verschlussvorrichtung festhaken, dann kann man es von außen aufschieben. Unser Glück, dass wir an diesem Tag etwas schlampig waren. Isa schob das Fenster auf. Es war aber zu klein um rein zu klettern und der Hebel der Tür zu weit entfernt für die Hand. Was blieb also logischerweise übrig? Genau, mit dem Bein in den Wagen rein und dann mit den Zehen die Tür öffnen. Dabei hat sich Isa etwas Haut vom Fuß gerissen und blutete stark. Wieder eine Narbe mehr in ihrer Sammlung…
Da wir endlich mal wieder Internetempfang hatten, nutzen wir dies gleich und erfuhren, dass zwei Backpacker auf unsere Anzeige geantwortet hatten und mit nach Perth wollten. Isa rief dort schnell an und zack hatten wir zwei neue Mitreisende für unseren letzten Tag gefunden. Wir holten sie an der Bibliothek ab und fuhren gleich los. Wir beschlossen heute Nacht am Meer zu campen. Wir fanden einen schönen freien Campingplatz und parkten 10 Meter vom Wasser entfernt und bauten dort unser Lager auf. Wir verbrachten einen schönen Abend und tauschten Erfahrungen über unsere Mitreisenden aus. Die beiden erzählten uns, dass sie mit einem deutschen von Perth nach Geraldton gefahren waren (500 km). Der hatte sich aber als vollkommen durchgeknallt herausgestellt und die beiden trennten sich nach dem ersten Tag wieder von ihm. Todesangst war ihr ständiger Begleiter an diesem Tag. Die Storys die wir zu hören bekamen waren unglaublich und auch wir konnten etwas Luft ablassen.

08.11.
Da der Hygienezustand unserer Körper nicht mehr klar ging, mussten wir in den sauren Apfel beißen und uns waschen. Das Wasser aus unserem Kanister hatte sich in der Nacht schön auf geschätzte 10° herunter gekühlt. Es war… sehr belebend. Nach einem guten Frühstück mit Pumpernickel und Coffee Shop Kaffee ging es wieder los. Kaum zu glauben, aber der Wagen fuhr immer bescheidener. Um auf gerader Strecke auf 90 km/h zu beschleunigen brauchten wir mittlerweile eine gute Minute. Zum Glück war es nicht mehr so weit. Wir fuhren durch endlose Kornfelder und es war wunderschön. Gegen 13 Uhr wurde der Verkehr endlich dichter und wir stießen in die Außenbezirke von Perth vor. Um 14 Uhr waren wir schließlich in der wuseligen Innenstadt angekommen. Dort verabschiedeten wir uns von den beiden und machten uns auf den Weg in unser neues Domizil.

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